Fassaden-Forum 2012
Wissenstransfer auf hohem Niveau

Die Veranstalter boten Ihren Teilnehmern interessante Fachvorträge von namhaften Referenten aus Forschung und Entwicklung, Planung und Anwendung sowie aus der Sachver-ständigenpraxis mit interessanten Betrachtungsweisen rund um die Gebäude-hülle aus unterschiedlichen Konstruktionen und Materialien.

 

Modul- und Elementfassaden

 

Das gewählte Thema von Ralf Rache, Rache Engineering aus Aachen, betraf die  Planung und Gestaltung von modernen Modul- und Elementfassaden aus Metall-leichtbauelementen. Dem Planer ging es in seinen Ausführungen darum, die Popularität dieser vorkonfektionierten, wirtschaftlichen Bauweise zu veran-schaulichen. Mit verschiedenen Materialien und durch intelligente Gestaltung lassen sich damit sowohl zweckgerichtete als auch ästhetisch anspruchsvolle Fassaden realisieren. Seine Ausführungen beinhalteten Grundanforderungen an Fassaden, Lösungen und Vorteile. Hierbei stellte der Techniker einschalige-, Standard-, und Standardfassaden mit Bekleidungen aus Naturstein jeweils zweischaligen Fassaden, Kastenfassaden und Zweite-Hautfassaden gegenüber. Des Weiteren referierte über das Zusammenfügen bewährter und geprüfter Einzelkomponenten, mit denen Fassaden berechenbar werden, individuell anmuten und über eine gesicherte Qualität verfügen. In diesem Zusammenhang ging er auf unterschiedliche Abdichtungen und Dichtebenen ein, streifte das Thema Toleranzen, Verankerungssysteme und die bauphysikalischen Funktionen der Gebäudehülle, Materialien/Oberflächen, Vorkonfektionierungen, Montagen, Logistik. Anhand von Referenzgebäuden, die er in seinem Vortrag vorstellte, konnten die Teilnehmer seinen Ausführungen folgen und die Vorzüge dieser rationellen Bauweise nachvollzeihen.

 

Oberflächen mit Selbstreinigungseffekt

 

Reynobond präsentierte moderne Aluminiumfassaden in Verbindung mit Praxis-beispielen und Gliederungsvorschlägen anhand von sehenswerten Architektur-projekten. Heiko Müller von Alcoa Architectural Products SAS ging in seinem Vortrag auf die verschiedenen Baustoffklassen, Befestigungsarten, Beschich-tungen und den Korrosionsschutz ein, präsentierte die Farbpalette und neue Trends, wie z.B. Brused Aluminium, oder Holzmaserungen und stellte neue eigene Verfahren, u.a. das sogenannte EcoClean ™, mit Selbstreinigungseffekt vor. 

 

Wie viel Technik braucht die Fassade?

 

Ebenfalls sehr positiv wurde der spannende Vortrag von Tillman Klein, Leiter der Forschungsgruppe Fassade, Gebäude, Technologie, der Technischen Universität Delft/NL. aufgenommen. Der Forscher stellte Innovationsprozesse - vom Entwurf über Entwicklung bis hin zur Innovation vor. In seinem Referat ging es um Intelligenzen in der Planung, Ausstattung und Abwicklung, Lasten-aufnahme bei Sanierungen und visionäre Klimakonzepte. Integration – war für ihn das Schlagwort der Zukunft. Nicht nur formal, sondern auch in der Prozess-organisation. Er referierte über die Veränderung von Planungsprozessen der Zukunft, Systematisierung, Vorkonfektionierung, Veränderungen im Ablauf eines Architekturprozesses und einer neuen Kombination eines Planungsteams mit Architekt/GLT/ Errichtern. Zum Schluss seiner Ausführungen stellte er neue Technologien, wie z.B. Rapid Manufacturing, Darstellung von 3D-Produkt-Design,Nanotechnologie und die Liquid Christal Technologie vor.

 

Neue Sicherheitsentwicklungen bei Glas und Fassade

 

Der vereidigte Sachverständige E. Achenbach referierte über neue Sicherheits-entwicklungen bei Glas und Fassade. In seinem lebhaften Vortrag veranschau-lichte der Gutachter dem Fachpublikum die Unterschiede zwischen mangelhaft ausgeführter Fassade und schadensfreier Fassade. Er klärte darüber auf, wie sich eine Glasscheibe verhalten soll, wenn sie unter der Berücksichtigung „Schutz vor Verletzung“ eingeplant werden muss. Darüber hinaus behandelte er die Begrifflichkeiten aus der Sicht der baurechtlichen und schutzrechtlichen Grundlagen und informierte über bauaufsichtliche Sprachregelungen. Stand-sicherheit und Verkehrssicherheit wurden ebenso thematisiert, wie Gewähr-leistung, Strafrecht und bruchsichere Werkstoffe, Bemessungs- und Konstruktionsregeln im Zusammenhang mit den ESG-Begriffen ESG-DIN 1249/T.12, ESG nach DIN 18516, Teil 4, ESG nach Bauregelliste (ESH-G) und ESG nach DIN 14179. Last but not least ging er auf die Regelwerke für Lasten ein. Dazu gehörten Ausführungen zu Berechnungsgrundlagen, Windlasten, Schneelasten und vorhersehbare Lasten.

 

Barrierefreie Gestaltung von Eingangsbereichen

 

…war das gewählte Vortragsthema von GEZE. Der Schulungsreferent und Architekt Günther Weizenhöfer machte die Zuhörer mit der neuen DIN 18040-1 vertraut und erklärte die wesentlichen Änderungen zur bisherigen Fassung. Seinen Schwerpunkt legte er dabei auf die Sensibilisierung des Planers für die Belange von Menschen mit Hörschädigungen, und Menschen mit Sehbehinder-ungen oder Blindheit. Er empfahl unterschiedliche Betrachtungsweisen in der Gestaltung und Ausbildung des Eingangsbereiches, informierte über die Hintergründe der Normung und über Formulierungen der Norn in der Abgrenzung zu den bisherigen Anforderungen. Danach werden, z.B. automatische Türsysteme empfohlen, stellen aber kein zwingendes Muss mehr dar. Weiterhin erklärte er, warum Karussell- und Pendeltüren sich für barrierefreie Eingangsbereiche nicht eignen und zeigte stattdessen ästhetische und funktionale Alternativen mit Rundschiebetüren oder Drehflügeltüren auf. Auch auf das neue Thema der Norm - die maximalen Bedienkräfte bei Türen betreffend - ist der Referent eingegangen und zeigte Konsequenzen und Möglichkeiten der Ausstattung auf, die innerhalb der neuen Normparameter liegen. Der Vortrag endete mit Hinweisen zur Verletzungsgefahr bei großen Glasflächen und der normgerechten Ausführung von Sicherheitsmarkierungen.

 

Sonderlösungen und Produkte im Glasbau

 

Der Statiker Wolfgang Kahlert vom Ingenieurbüro GKS in Haltern am See/Westf. informierte über die Möglichkeiten der Verglasung am Gebäude (innen und außen) – wie z.B. Vordach, Fassade, Dach, Geländer, begehbare Glasflächen. In einem weiteren Themenpart befasste sich der Techniker mit der Bearbeitung und Veredlung von Gläsern (z.B. Siebdruck, Emaillieren, Bedampfen, Ätzen, Sandstrahlen, Farbgläser, Bedrucken von Acrylgläsern). Dazu ging der Referent auf die DIN 180008 ein, die in ihren einzelnen Teilen in den kommenden Jahren die TRLV, TRPV und TRAV aus den Listen der Technischen Baubestimmungen der einzelnen Bundesländer ablösen wird.

Einen weiteren Schwerpunkt seines Vortrages bildeten Glasprodukte im Bauwesen, wie z.B. thermisch vorgespanntes Glas, Verbundsicherheitsglas (Isolierverglasung). In diesem Zusammenhang stellte Wolfgang Kahlert das aktuelle Highlight topview von arcon vor, mit dem Anisotropien (irisierende/ schillernde Effekte) im Glas vermieden werden. Dazu hatte er ein Referenz-beispiel parat. Die makellose Glasfassade von Metallbau Puhlmann aus Rhede/Borken sorgt bei jedem Blickwinkel für eine klare Durchsicht und verhindert Irritationen bei TVG. Sein Vortrag fand bei allen Zuhörern großen Zuspruch.

 

Lüftungskonzepte nach DIN 1946-1

 

40 Prozent des weltweiten Energiebedarfs werden für die Heizung oder Kühlung von Gebäuden eingesetzt. 50 Prozent der jährlich weltweit verbrauchten Ressourcen entfallen auf den Bausektor. Zwei Tatsachen, eine Konsequenz: Green Building ist das Thema der Zukunft. In diesem Zusammenhang muss man auch über das Thema Lüftungen ernsthaft nachdenken. Diesem Thema widmeten sich Matthias Ußner von der ITG Institut für Technische Gebäude-ausrüstung, Dresden. Den Teilnehmern wurden interessante Lüftungskonzepte für den Wohnungsbau (Renovierung /Neubau) präsentiert. Die Referenten gingen dabei auf lüftungstechnisch relevante Änderungen (Austausch von Fenstern) ein, auf die Fugendichtheit, auf die Planung von lüftungstechnischen Maßnahmen durch freie oder ventilator-gestützte Lüftung, auf die Möglichkeit der Nutzung durch Planungstools, per freiem Download unter www.wohnungslueftung-ev.de sowie auf die verschiedenen Lüftungs-systeme (Abluftanlage, Zu-/Abluftanlage, Schachtlüftung, Querlüftung und nicht zuordenbare Lüftungen). Ihr Vortrag endete mit Hinweisen zum Feuchteschutz und zur Energieeffizienz, der Komplexität (d.h. Hygiene, Behaglichkeit, Schallschutz, Brandschutz), zur Rechtslage (EnEV, DIN 4108, Gutachten) und zur Auslegung der DIN 1946-6-für Wohnungen.

 

Fachgespräche Ausstellung und Diskussionen

 

Während in drei Tagungsräumen die Referate gehalten wurden, stellten sich die Mitglieder des Kompetenzteams den Fragen und Antworten der interessierten Teilnehmer.

 

Siegenia Aubi hatte die Zielgruppe der Planer und Metallbauer ebenfalls im Fokus, nutzte das Hamburger Forum zum Wissenstransfer mit dem Metallbauer und informierte über neue Entwicklungen aus der Beschlagtechnik für unter-schiedliche Schließ-und Widerstands-Klassen sowie moderner Lüftungstechnik. Der Beschlaghersteller konzentrierte sich dabei auf die vier besonders relevanten Aspekte Ästhetik, Energieeffizienz, Sicherheit und Komfort, mit denen die Architekten für Industrie- und Gewerbebauten ein hohes Maß an Gestaltungs-freiheit erzielen können. In den Fokus seiner Firmenpräsentation stellte. Siegenia-Aubi den neuen AEROMAT VT mit Wärmerückgewinnung für die flexible Installation und effiziente Lüftung.

 

Automatische Fertigung und Profilbearbeitung

 

elumatec unterstützt die Metallbauer mit Fertigungs- und Betriebseinrichtungen für die Profilbearbeitung und Bauelemente Herstellung. Der Maschinenhersteller hatte aktuelle News über die neuesten Generationen von Doppelgehrungssägen und Profilbearbeitungszentren (Fräsen und Sägen auf einer Anlage) sowie zusätzlich interessante Neuigkeiten im Bereich der Softwareanbindung mit 3D-Datenübernahmen an die Maschinen parat und bot aufgrund der Typenvielfalt und Anbindungsmöglichkeiten für „fast“ jede Anwendung eine Lösung. 

 

Wer Fassaden konstruiert, plant oder baut, muss sich mit Statik, thermischen Bedingungen und auch dem architektonischen Aspekt auseinandersetzen. Außerdem will er möglichst genaue Kalkulationen für seine Angebote erstellen, und im Falle der Auftragserteilung die komplette Vorbereitung der Fertigung und der Montage erledigen. Auch hierzu fanden die Teilnehmer bei CAD-Plan und der ORGADATA AG jede Menge Anregungen mit sorgfältig auf den Arbeitsalltag des Konstrukteurs abgestimmten Software-Produkten und hilfreichen Software-Werkzeugen, die die Arbeit erleichtern, Produktivität steigern und mehr Sicherheit im Glas- oder Metallbau, in der Fassadentechnik, im leichten Stahlbau oder dem Industriebau versprechen.

 

Befestigung, Abdichtung und Beschattung

 

BWM Dübel und Montagesysteme war aus Leinfelden-Echterdingen angereist, um neue und universell einsetzbare Unterkonstruktionssysteme für die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) vorzustellen. Am Beispiel des Arcotel Onyx Hotel auf der Hamburger Amüsiermeile Reperbahn, konnten die Teil-nehmer sich an Ort und Stelle von den innovativen BWM-Verankerungs-möglichkeiten der von Klammern gehaltenen Glasfassade, überzeugen.

 

Auch Henkel Bautechnik ist der Dialog mit den Metallbauern wichtig. Die Teroson-Fachleute aus Düsseldorf nutzten das Forum, um den Metallbauern moderne Abdichtungssysteme, neue Techniken und neue Produkte für die Abdichtung aller drei Ebenen vorzustellen. Sofern es der moderne Gebäudean-schluss zulässt, lösen danach praktisch handhabbare, dreidimensionale vorkomprimierte Dichtbänder herkömmliche Abdichtungsmethoden mit Schaum oder Dichtmassen ab. Getreu dem Motto „nach außen dicht, von innen gedämmt.

 

Der Marktführer für Vorbau-Rollladen in Deutschland, Roma war zum ersten Mal mit dabei. Der Architektenberater Oliver Pfänder stellte den Planerm und Metallbauern die verschiedenen Arten von außenliegendem Sonnenschutz vor. Im Gepäck hatte er Exponate zu textilem Sonnenschutz, Aluminiumlamellen und diverse Rollläden. Erstaunt zeigten sich die Teilnehmer über die Beschattungs-möglichkeiten, die sich mit oberflächenveredeltem, besonders widerstands-fähigem, textilem Sonnenschutz erzielen lassen. Damit können bis zu 18 Quadratmeter große Flächen überspannt werden. Selbst Windgeschwindig-keiten von 90 km/h können der robusten Konstruktion nichts anhaben. Gerade in der Küstenregion und in den norddeutschen Bundesländern erweisen sich solche Sonnenschutzlösungen als besonders ideal.

 

Kompetenzaustausch und Zusammenarbeit

 

P. Keßling, Vertriebsleiter Metallbau bei Kötter+ Siefker und der Alkuba. betonte die Wichtigkeit dieses Netzwerkes und solcher Veranstaltungen, auf denen man den Kunden im Objektgeschäft aktiv unterstützt, sich austauscht, jede Menge News rund um die Gebäudehülle erfährt, das Netzwerk innerhalb der Branche nutzt und den Kompetenzaustausch zwischen dem verarbeitenden Metallgewerbe, den Hersteller und Anwender, Planer/Architekten forciert.

Beide Unternehmen vertreten mit vier weiteren Werksvertretungen der Forster Rohr-&Profiltechnik AG Forster die Forster Stahl-Profilsysteme in Deutschland.

 

arcon präsentierte aktuelle Glas-Veredelungstechniken. Allen Produktentwick-lungen voran interessierte die Teilnehmer das neuartige arcon topview. Damit bahnt arcon den Weg für noch größere, gewagtere und eindrucksvollere, moderne Glasfassaden ohne störende Doppelbrechererscheinungen im Glas.

 

Geballte Ladung Fachinformation und Knowhow

 

Zu allen Produkten und Systemen gab es jede Menge aufbereitete Fachinform-ationen, technischen Unterlagen und Vertriebspublikationen. Mit ihrem hochkarätigen Themenangebot sowie mit umfangreichen Fachinformationen, die den neuesten Stand der Technik dokumentierten, boten die engagierten Mitglieder des Kompetenzteams den begeisterten Teilnehmern jede Menge Anregungen und Ideen für ihre Bauvorhaben, von denen sich viele auf die tägliche Arbeit übertragen lassen. Die Veranstaltung in Hamburg war ein großer Erfolg für alle Beteiligten. Eine zweite Veranstaltungsreihe ist für Herbst 2012 geplant. Das Fassadenforum endete mit einer Architekturexkursion. Hierzu begaben sich die Tagungsteilnehmer auf die Barkassen am Hamburger Hafen und erkundeten auf einer Hafenrundfahrt die interessanten Architekturprojekte der Moderne bis zurück ins Mittelalter.

Energetische Sanierung und Neubau

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